Gesundes Abnehmen für Kinder

„Das ist nur ein bisschen Babyspeck, das verwächst sich noch!“ Es gibt wohl kaum Eltern, die diesen Satz nicht früher oder später als Verteidigung für ihr Buddha-ähnliches Kind zur Hilfe nehmen. Dabei ist das nicht einmal falsch, denn im Babyalter sind viele Kinder mit kleinen Speckröllchen gesegnet. Durch Wachstum und Bewegung relativiert sich das Gewicht bis ungefähr zum dritten Lebensjahr wieder. Doch was, wenn das nicht der Fall ist?

Probleme übergewichtiger Kinder

Neben falscher Ernährung und einem Mangel an Bewegung sind es verschiedene Faktoren, die zum Übergewicht bei Jungen und Mädchen führen. Mittlerweile ist jedes sechste Kind von einem zu hohen Gewicht betroffen – Tendenz steigend. Dabei reichen die Folgen für die Gesundheit weit: Diabetes, Rückenschmerzen, Fehlstellungen der Gelenke, Probleme mit der Wirbelsäule, Gallen- und Leberprobleme sowie hormonelle Störungen können auftreten. Asthma kann sich verschlimmern, außerdem ist das frühzeitige Einsetzen der Pubertät ebenso möglich wie eine spätere Unfruchtbarkeit. Selbst ein Übergewicht, welches noch nicht als Adipositas – Fettleibigkeit – bezeichnet werden kann, bringt zudem seelische Probleme mit sich. Häufig werden übergewichtige Kinder spätestens in der Schule in eine Außenseiterposition gedrängt und sehen sich nicht selten Mobbing gegenüber.

Was macht Kinder dick?

Häufig schieben Eltern die Schuld auf die Gene – doch nur selten sind diese wirklich für ein Übergewicht des Kindes verantwortlich zu machen. Weitaus einflussreicher sind Verhalten und Ernährungsweise – doch oft braucht es Hilfe von außen, um Alltagsfehler zu erkennen. Nicht umsonst führt eine Ernährungsberatung häufig zum Erfolg und zum Abnehmen beim Kind.
Häufig isst das Kind nicht richtig: Zu viel Kuhmilch (über Milchgetränke, Joghurt und Pudding) mit ihrem hohen Kalorien- und Eiweißgehalt sorgt dafür, dass das Kleine mehr Energie bekommt, als es verbrauchen kann.

Auch die Aufnahme ungesunder Fette führt zu Übergewicht. Meist enthält die Nahrung zu viel tierisches Fett, dafür fehlen Omega-Fettsäuren, die schon beim Baby für die Gehirnentwicklung wichtig sind.

Ebenso ungünstig sind Fast Food und Weißmehlprodukte. Sie machen schnell satt, das Sättigungsgefühl verfliegt aber schnell wieder. Solche schlechten Kohlenhydrate finden sich vielen Speisen. Sie lassen den Insulinspiegel erst schnell ansteigen, er sinkt aber rasch wieder ab. Die Folge: Heißhungerattacken, in denen wahllos Essen in den Mund gestopft wird.

Tipps zum Abnehmen

Die folgenden Tipps helfen dabei, häufige Fehler in der Ernährung und Verhaltensweise der Kinder zu vermeiden:

  1. Auf süße Zwischenmahlzeiten verzichten! Pudding und Co. sind keine geeigneten Energielieferanten – zu fett, zu viel Zucker, zu geringer Nährwert.
  2. Nicht zu salzig essen! Salz lässt den Körper Wasser speichern, als Faustregel gilt daher, dass besser zu nüchtern als zu salzig gegessen werden sollte.
  3. Gesunde Fette aufnehmen! Beim Kochen sollten gute Öle (Olivenöl oder Rapsöl) verwendet werden, Wurst und Käse sollten nur sparsam gegessen werden. Die Fette aus Süßigkeiten schaden ebenso, daher gehören Leckereien nur selten auf den Speiseplan.
  4. Zucker in Maßen! Zucker und Weißmehlprodukte sollten nicht gänzlich vom Speiseplan verschwinden, das löst nur Heißhungerattacken aus. Lieber in Maßen als in Massen essen!
  5. Viel Obst und Gemüse anbieten, häufig Getreide und Hülsenfrüchte zu den Mahlzeiten reichen!
  6. Viel Bewegung in den Alltag integrieren! Kinder aber bitte nicht zum Sport zwingen, das hilft Jungen und Mädchen bei fehlender Motivation nicht.
  7. Kinder müssen lernen, wie sich gesund ernähren. Spezielle Ernährungsprogramme für Kinder und Jugendliche helfen weiter.

Zeit für eine Diät?

Im Gegensatz zu erwachsenen übergewichtigen Menschen haben Kinder den Vorteil, dass sie noch wachsen. Eine Diät ist zum einen unnötig, weil sie nur für einen Nährstoffmangel sorgt – der Körper würde unterversorgt und könnte sogar Mangelerscheinungen zeigen. Der Energie- und Nährstoffbedarf bei wachsenden Kindern ist sehr groß! Für betroffene übergewichtige Kinder lautet das Ziel also, das Gewicht zu halten und nicht zu reduzieren. Bedingt durch das Wachstum „strecken“ sich die Kleinen und werden automatisch schlanker. Gut zu beobachten ist das bei Babys, die ihre Speckrollen von ganz allein verlieren. Sie bringen nicht weniger auf die Waage, sie wachsen nur in die Länge und werden dünner.

Eine Diät im herkömmlichen Sinne ist für Kinder falsch – wichtiger ist die Umstellung der Ernährung in Kombination mit viel Bewegung. Viele Wege im Alltag lassen sich auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. Wenn Mama und Papa hier mitziehen, macht die Sache auch noch Spaß! Auch zusätzliche Bewegungsanreize über einen häufigen Besuch auf dem Spielplatz oder über die Anschaffung eines eigenen Trampolins helfen ebenfalls weiter.

Umstellung der Ernährung in kleinen Schritten

Kaum ein Kind wird begeistert sein, wenn es von heute auf morgen seine geliebten Mahlzeiten und Getränke nicht mehr bekommt. Es gilt daher, in kleinen Schritten vorzugehen. Nudeln mit Tomatensoße stehen auf dem Speiseplan? Die Soße lässt sich mit püriertem Gemüse strecken, Vollkornnudeln ersetzen Nudelprodukte aus Weißmehl.
Fertignahrungsmittel sollten gemieden werden – eine gesunde Familie kocht selbst! Damit lassen sich die Inhaltsstoffe gezielt steuern.
Zwischenmahlzeiten sollten aus Lebensmitteln bestehen, die nur eine geringe Energiedichte aufweisen. Obst- und Gemüsesticks naschen die meisten Kinder gern und liefern quasi nebenbei viele Vitamine.

Zum Trinken gibt es Wasser, ungesüßte Tees und Saftschorlen. Die meisten Kinder finden ein kalorienarmes Getränk, das ihnen schmeckt und das Säfte und zuckerhaltige Getränke ersetzen kann.
Kinder sollten ihr Essen kauen müssen – Joghurt oder Breie werden nur geschluckt. Das geht schneller und das Sättigungsgefühl setzt später ein. Folglich wird davon mehr gegessen. Fingerfood ist besser und muss gründlich gekaut werden!

Abnehmen für Kinder: Ein Fazit

Eltern sind in der Vorbildfunktion und sollten in puncto gesunder Ernährung mit gutem Beispiel vorangehen. Sie legen den Grundstein dafür, dass das Kind gesund bleibt, dass es seinem Körper nicht durch falsche Ernährung selbst schadet und dass es gesunde Lebensmittel kennt. Ernährungsmaßnahmen sollten für die Kleinen nachvollziehbar sein und von allen Familienmitgliedern getragen werden – wenn niemand nascht, ist die Versuchung deutlich geringer.

Beim Essen sollte es keine Tabus geben – portionierte Süßigkeiten sind die bessere Wahl. Mahlzeiten sollten durchdacht sein, allzu große Einschränkungen führen nur zu Frust. Noch ein Wort zu Abnehmprodukten für Kinder: Diese sind meist viel zu ungesund und zielen auf eine rasche Gewichtsabnahme. Sie sind nur in Einzelfällen zu empfehlen und auch dann nur, wenn vonseiten des Arztes aus gesundheitlichen Gründen dazu geraten wird.

Das Abnehmen kann sich sogar über einige Jahre hinziehen – ist das Kind stark übergewichtig und wächst aber noch, so relaviert sich das Übergewicht im Laufe der Wachstumsjahre.
Wichtig: Die Gründe für das Übergewicht müssen abgeklärt werden – steckt eine Erkrankung dahinter, gehört diese in ärztliche Behandlung.